(End-) Bericht von der NDVM U16w 2022

Zum dritten Mal innerhalb von drei Monaten spielen wir ein überregionales Jugendturnier. Diesmal hat es uns nach Hamburg verschlagen. Dort spielen unsere Mädchen (die Titelverteidiger) bei der Norddeutschen Vereinsmeisterschaft in der Altersklasse U16 mit, die vom 24.-26.09. stattfindet. Unser Team besteht aus den Königsjägerinnen Daria (Dascha) Pikki, Luna Sohr, Luise Schmidt, Rosalie Schülke und unserer Gastspielerin Victoria Isabella Altuve Medina. Es nehmen nur 5 Mannschaften teil, sodass wir ein Rundenturnier mit einer freien Runde spielen.

Tag 1 (Freitag, der 23.09.2022):

Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwieriger als geplant. Schon den ganzen Tag über gab es eine Stellwerksstörung im Raum Berlin, die zwar kurzfristig gelöst werden konnte, dann aber wieder losging. Wir hatten dennoch Glück, unser Zug hatte nur 20 min Verspätung bei der Einfahrt am Bahnhof Südkreuz, wo die Hälfte unserer Gruppe wartete, stand dort dann 20 Minuten weil alle Gleise am Hauptbahnhof belegt waren, fuhr nach Halt am Hauptbahnhof und in Spandau mit 50 Minuten Verspätung aus Berlin heraus und kam mit gut 40 Minuten Verspätung in Hamburg an. Andere ICEs, die vor oder nach unserem Zug nach Hamburg fuhren, hatten meist Verspätungen von über einer Stunde. Leider kamen wir gerade in Hamburg an, nachdem die virtuelle Betreuerbesprechung angefangen hatte, sodass ich nur einen Teil davon mitbekommen konnte (ich bekam aber eine Zusammenfassung per E-Mail). Nach einer kurzen Fahrt mit der U-Bahn kamen wir am Hotel an. Da es keine zentrale Unterkunft gab, mussten wir selbst eine buchen. Leider vergaß ich, dass ich für alle Kinder eine Einverständniserklärung der Eltern benötige. Diese musste dann also kurzfristig per E-Mail nachgeschickt werden. Nach einer Verzögerung bezogen wird unsere Zimmer und gingen dann, nachdem wir zuvor schon eine Pizza von Dominos Pizza gegessen hatten (das ist direkt neben dem Hotel) in Bett. Wir hatten insgesamt 4 Doppelzimmer. Neben mir und den 5 Mädchen waren noch Max Schmidt (der Vater von Luise) und Jose Altuve (der Vater von Victoria) dabei.

Tag 2 (Samstag, der 24.09.2022)

Heute sollte es schachlich losgehen. Wir hatten uns entschieden nicht im Hotel zu frühstücken, sondern uns lieber beim Bäcker um die Ecke etwas zu Essen zu holen. Leider verpassten wir danach sowohl den Bus, als auch die U-Bahn, sodass wir zu einem 20-minütigen Fußmarsch durch den Hamburger Nieselregen zum Spielort antraten. Wir kamen zwar erst kurz vor Partiebeginn an, waren aber dennoch vor unseren Gegnern von der TSG Oberschöneweide da, die quasi mit Anpfiff erschienen. Dann konnte das Berlin-Derby beginnen! Wir entschieden, dass Luise in der ersten Runde aussetzte. Dies hatte auch die Idee, dass wir an Brett 3 gegen die gefürchtete Spielerin Rubina Arnold für eine Überraschung sorgen konnte, indem wir dort nicht wie erwartet Luise, sondern Rosalie aufbrachten und so für eine Überraschung sorgten. Der größte DWZ-Unterschied (zu unseren Gunsten) bestand an Brett 4. Victoria blieb natürlich trotzdem konzentriert und konnte schon bald konnte sie das erste Ergebnis vermelden, nämlich einen Sieg 1:0. An den anderen Brettern dauerte es noch etwas. Dascha (an Brett 1) hatte gegen die Berliner Spitzenspielerin Veronika Lorenz eine leicht bessere Stellung mit dem Läuferpaar gegen Läufer und Springer mit einerm Turmpaar auf beiden Seiten. Veronika konnte aber bald ihren Springer auf dem Stützposten im Zentrum etablieren und die Stellung geschlossen halten, womit das Läuferpaar entwertet wurde. An Brett 2 hatte Luna einen Läufer gegen einen Springer mit jeweils einem Turmpaar, aber eine offene Stellung. Bei Rosalie ging es taktisch zu. Dort wurden die Damen abgetauscht und Rosalie stand offensiv da. Dann konnte sie sogar zwischenzeitlich sogar zwei Bauern gewinnen. Wenig später musste sie sich in Zeitnot erst die zwei Mehrbauern wieder abgeben und sich dann in einen Großabtausch einlassen, nachdem sie ein verlorenes Turmendspiel erreichte (ob es schon verloren oder nur klar schlechter war, ist natürlich schwer zu sagen, aber ihre Gegnerin hatte zwei entfernte und verbundene Freibauern, während Rosalie nur vereinzelte Bauern hatte). Auch an den anderen Brettern sah es zunehmend nicht mehr so gut aus. Dasha bekam Probleme ihre Figuren zu entwickeln und ihre Läufer wurden eingesperrt. Bei Luna verirrten sich beide Türme auf der A-Linie, wo sie einen gedeckten Bauern ganz genau unter Beobachtung nahmen, aber auch nicht mehr ausrichten konnten.

Dann konnte Rosalie noch wie ein Wunder ein Remis erreichen, während etwa zeitgleich Dascha die Segel streichen musste und es somit 1,5:1,5 stand und alle auf das Brett von Luna schauten. Sie stand in einem Doppelturmendspiel mit einem Minusbauern und ihre Gegnerin (Madiha Fock) hatte zwei verbundene Freibauern. Wir analysierten im Analyseraum die aktuelle Stellung. Ob wir wirklich noch an die Chancen von Luna dachten oder diese nur erhofften ist in solchen Situationen natürlich immer schwer zu sagen, es war sicherlich eine Mischung von beidem. Auf jeden Fall war das nicht aussichtslos und wir alle wussten, dass Luna eine zähe Kämpferin war. Die Partie dauerte dann auch über 5 ½ Stunden. Leider schaffte sie es nicht mehr und wir verloren 1,5:2,5.

Am Nachmittag hatten wir Spielfrei. Wir nutzen die Chance und fuhren in die Stadt, um dort vom Stintfang einen Ausblick über die Landungsbrücken und den Hamburger Hafen zu erhalten. Auf dem Rückweg enterten wir noch einen Supermarkt. Es gab dann eine kurze Online-Besprechung mit Kristian, dem Trainer der Mädchen, ehe wir nach einer Pause in ein nahes Restaurant gingen und nach der Pizza am Mittag am Spielort noch eine weitere Mahlzeit einnahmen. Nicht zu spät ging es dann abends ins Bett.

Tag 3 (Sonntag, der 25.09.2022)

Während in Berlin der Marathon-Weltrekord gebrochen wurde, stand bei uns auch ein „Marathon-Tag“ an, nämlich die erste und einzige Doppelrunde. Doch damit konnten wir uns vorerst nicht beschäftigen, es stand die entscheidende Runde gegen den HSK an. Wie schon vorher vereinbart, setzte Victoria aus. Die anderen 4 Mädchen gingen an die Bretter. In den Eröffnungen war alles vertreten: Italienisch, Spanisch, Caro-Kann-Vorstoß und Slavisch-Abtausch. Ich nutzte die Zeit und schrieb den Bericht über die ersten beiden Tage. Danach ging ich in den Spielsaal. Bei Dascha war es auf dem Brett noch sehr voll, sodass ich mir keine Einschätzung zutraute, Luna erreichte gerade durch Abtausch des letzten Leichtfigurenpaars ein Schwerfigurenendspiel. Luise hatte einen ganzen Springer mehr (in der Analyse zeigte sie mir, dass sich ihre Gegnerin veropfert hatte. Es war aber weitem nicht trivial sondern taktisch sehr komplex mit vielen Varianten, die sie sehr  gründlich berechnet hatte). Rosalie hatte einen Bauern weniger und musste aufpassen, dass die Gegnerin keine taktischen Chancen bekam.

Im entstandenen Damenendspiel spielte Luna positionell leicht ungenau und ließ zu, dass die gegnerische Dame Angriffschancen bekam und Bauern gewinnen konnte. Danach konnte ihre Gegnerin den Damentausch erzwingen und damit in ein gewonnenes Bauernendspiel abwickeln. Luna kämpfte zwar noch, ihre Gegnerin ließ sich aber nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. 0:1

Fast zeitgleich konnte Luise ihren materiellen Vorsprung verwerten, nachdem sie noch einen zweiten Springer gewonnen und den gegnerischen Freibauern kontrolliert hat, hatte die Gegnerin einsehen und gab auf. 1:1

Rosalie hatte inzwischen einen Bauern mehr, allerdings hatte ihre Gegnerin einen gedeckten Rand-Freibauern, auf den Rosalie aufpassen musste. Währenddessen wurde bei Dascha etwas aufgeräumt. Sie bekam Druck mit ihren Schwerfiguren, hatte aber einen Läufer, den ich als „SMS-Läufer“ taufte (Schlecht-Möglichst-Stehender Läufer). Ich besuchte noch einen Geldautomaten in der Umgebung. Als ich wiederkam, waren alle Partien beendet. Rosalie hatte erst den Springer gegen den gefährlichen Freibauern geopfert, aber genügend Kompensation bekommen, um die Stellung Remis zu halten. Dascha hatte ihr Partie gewonnen, sodass wir den HSK mit 2,5:1,5 besiegten.

Die Mittagspause dauerte allerdings nicht lange, dann schon bald stand die Nachmittagsrunde gegen den Roten Turm Halle auf dem Programm. Es gab also nur kurze Vorbereitungen, dann ging es los. Diesmal setzte Luna aus. Auf dem Papier waren wir klarer Favorit, doch die Mädchen wussten natürlich, dass das alleine nicht ausreichen würde. Die erste Erfolgsmeldung kam von Rosalie. Schon in der Eröffnung stellte ihre Gegnerin eine Figur ein, sodass Rosalie bald zu einem schnellen Erfolg kam. Währenddessen hatte Victoria schon einen Mehrbauern, allerdings eine geschwächte Königsstellung.

Bei meinem nächsten Rundgang hatte Victoria bereits einen Mehrturm (ihre Gegnerin hatte eine Fesselung übersehen), bei Luise war es ausgeglichen, Dascha hatte einen großen positionellen Vorteil (die Gegnerin hatte Kf1, De1 und Tg1), aber materielles Gleichgewicht. Bald kam dann Victoria raus und hatte für uns den zweiten Sieg eingefahren. 2:0 Es verging noch etwas Zeit. Dascha und Luise kamen dann gleichzeitig raus. Dascha hatte ihr positionelles Übergewicht ausgespielt, Luise profitierte davon, dass sich ihre Gegnerin verrechnete und die Dame für ein Matt opferte, welches kein Matt war. Auch wenn die Mädchen mit dem Inhalt ihrer Partien nicht so zufrieden waren, stimmte zumindest die Verpackung, wir hatten 4:0 gewonnen.

Im Hotel entspannten wir dann noch etwas und spielten teilweise noch eine Runde „Widerstand“.

Tag 4 (Montag, der 26.09.2022)

Die letzte Runde erwartet uns und wir wollten uns mit einem Sieg verabschieden, um zumindest am HSK vorbeizuziehen und die Vizemeisterschaft zu sichern. An einen Ausrutscher der TSG wollten wir nicht glauben. Die Morgenroutine war bekannt. Beim Bäcker gab es Frühstück, danach mit der U-Bahn zum Spielort, wo wir gegen Makkabi Rostock spielten, während Oberschöneweide gegen Halle kämpfte. Diesmal setzte Rosalie aus und spielte im „Ersatzspielerturnier“ gegen Isabella von TSG. Die Partie gewann Rosalie. Im Mannschaftswettkampf war am Anfang nichts Nennenswertes passiert. Allerdings führte im Parallelwettkampf Oberschöneweide nach einem frühen Sieg ihrer Spieleerin Rubina Arnold 1:0. Ich hakte die Meistergedanken ab und konzentrierte mich auf unseren Wettkampf, sowie auf das Verfassen des Berichts vom Vortag, sodass ich nur am Rande mitbekam, dass wir prominennten Besuch vom GM und deutschlandweit führenden Endspielexperten Karsten Müller bekamen.

In meinem Rundgang nach knapp 2 Stunden hatte Luna einen Mehrbauern, Luise das Läuferpaar und Dascha und Victoria angenehmere Stellungen. Dann waren es Dascha und Victoria, die fast zeitgleich ihre Siege verlünden konnte. Luna machte wenig später Remis und sicherte damit den Mannschaftssieg. Diese Entscheidung verdient meinen größten Respekt. Luna hatte vorher beide Partien verloren und viele Schachspieler würden jetzt diese bessere Stellung weiterspielen, um wenigstens noch einen Sieg einzufahren, aber Luna dachte auch in diesem Moment an die Mannschaft und bat Remis an. Am Ende wäre es nicht unbedingt nötig gewesen, da auch Luise ein Remis erreichte und wir 3:1 gewannen. Somit hatten wir die Vizemeisterschaft schon einmal sicher.

Und was macht Oberschöneweide? Dort gab es einen Doppelschlag: Zuerst verlor Veronika, dann gewann Madiha, also 2:1 für unsere „Nachbarn“ und die Partie an Brett 4 von Patricia sollte entscheiden. Im Chat wurden die ersten Überlegungen gemacht, was bei einem 2:2 und damit Mannschaftspunktgleichheit passieren würde. Es wurde herausgefunden, dass dann wohl die Brettpunkte zählen, bei denen wir vorne lagen. Doch noch war nichts entschieden. Ich überredete die Mädchen dann noch zu einer Runde „Munchkin“, die sich bekanntermaßen etwas hinzog. Zwischendurch ging immer mal wieder jemand hoch gucken. Die erste (für uns) freudige Antwort bekamen wir, als es hießt, dass die Spielerin von Oberschöneweide einen Läufer weniger ohne ausreichende Kompensation hatte (der vorgerückte Bauer von ihr konnte aufgehalten werden). Es dauerte dann noch etwas, dann stand fest, dass dieses Brett für die Berliner verloren geht und sie somit nicht über ein 2:2 hinauskommen werden.

Wir konnten es erst nicht fassen, gelten die Brettpunkte wirklich als Zweitwertung? Doch dann machte sich langsam Gewissheit breit und bei der Siegerehrung war klar: Titelverteidigung geglückt, wir waren wieder Norddeutscher Vereinsmeister in der Altersklasse U16w!

Da die Siegerehrung früher als geplant stattfand und wir sogar noch mit einem Puffer bei der Rückverbindung geplant hatten, hatten wir noch ein bisschen Zeit tot zu schlagen (Ich weiß, dass Chuck Norris der Einzige ist, der Zeit wirklich totschlagen kann). Wir spielten Munchkin zu Ende (Victoria gewann) und packten unsere Sachen, um uns auf dem Weg zum Hauptbahnhof zu machen. Dort konnten dann Snacks eingekauft werden. Der Zug kam pünktlich an und hatte nur 10 Minuten Verspätung in Berlin. Also alles im Rahmen.

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